KATASTROPHEN-ALARM, SCHNEEBRUCH und STROMAUSFALL in der Steiermark
von Sabine Hütter, 21. Februar 2026
Erlebnisbericht aus der Krisenregion Feldbach
Vor-Ort-Reportage aus der Südoststeiermark – Kapfenstein/Feldbach
Die Verbindungsstraße zwischen Mahrensdorf und Pichla in der Gemeinde Kapfenstein ist auch 24 Stunden nach dem extremen Schneefall noch völlig unpassierbar. Umgestürzte Bäume machen das Befahren unmöglich. Selbst eine Begehung kann nur unter größter Vorsicht und Aufsicht erfolgen. Foto: Sabine Hütter, Fotojournalistin - © by www.society-photography.at
60 - 80 Zentimeter nasser Neuschnee haben gestern für eine landesweite Auslösung des ‘AT ALERT’ gesorgt. Die klare Aufforderung bleibt zu Hause, draussen ist es teilweise lebensgefährlich. heute, rund 24 Stunden später zeigt sich wie dramatisch die Lage wirklich war und teilweise immer noch ist.
Landesweite Alarmierung am Freitag, 19. Februar 2026, auf allen Mobilfunk-Telfonen erschien zeitgleich der AT Alert, als Notfallmeldung. - Foto: Sabine Hütter, Fotojournalistin, © by www.society-photography.at
Es ist kurz nach Tagesanbruch, als wir den Wald in der Gemeinde Kapfenstein erreichen – begleitet von einem erfahrenen Katastrophenschützer wollte ich mir selbst ein Bild von der Lage vor Ort machen . Was uns hier erwartete, war eine brutale Konfrontation mit Natur-Schauspielen, die unterschiedlicher kaum sein konnten: auf der einen Seite eine romantische Winteridylle mit traumhaft verschneiten Kapellen, die geradezu kitschige Postkarten-Idylle vermittelte.
Malerische Idylle: Verträumte Schneelandschaft in Pichla, Gemeinde Kapfenstein (Feldbach, Vulkanland Südost-Steiermark), keine 200 Meter entfernt von den zerborstenen Bäumen, die reihenweise die Verbindungsstraßen unpassierbar machen. Foto: Sabine Hütter, Fotojournalistin, ©by www.society-photography.at
Keine 200 Meter weiter eine zerborstene Landschaft, die an ein Krisengebiet erinnerte: gebrochene Kronen, gesplitterte Stämme, völlig versperrte Strassen und abgeschnittene Höfe ohne Zugang zur Zivilisation.
24 Stunden Schneefall sorgten für eine dramatische zerstörung in den Wäldern der Süd-Ost-Steiermark (Feldbach) - Foto: Sabine Hütter (Fotojournalistin) ©by www.society-photography.at
Schneebruch – wenn Stille gefährlich wird
„Der Schnee ist nass und schwer“, sagt der Katastrophenschützer leise, während er den Blick in die Baumkronen richtet. Die Bäume ächzen unter der nassen Schneelast, die nun bereits seit 24 Stunden auf den Ästen liegt. Jeder Windstoß kann den nächsten Bruch auslösen. In den Hanglagen rund um Kapfenstein liegen Fichten wie Streichhölzer quer über Forstwegen und verbindungsstraßen. Parkanlagen sind gesperrt, Wälder tabu – zu hoch die Gefahr.
Die Warnungen waren unüberhörbar: AT-Alert meldete einen Aussnahmezustand und forderte gestern zum Zuhausebleiben auf. In der Ost- und Südsteiermark sind zahlreiche Straßen heute immer noch blockiert, Nebenrouten unpassierbar. Besonders betroffen: Kapfenstein und der Raum Feldbach im Bezirk Südoststeiermark.
Dunkelheit, Kälte, kein Strom
Noch am Abend zuvor waren tausende Haushalte ohne Strom. Bei der Energie Steiermark arbeiteten Teams im Schichtbetrieb an der Wiederherstellung – doch vereiste Leitungen und umgestürzte Masten machen jeden Handgriff riskant.
Einsatzrekord – und kein Ende
Die Feuerwehren in der Steiermark verzeichnet einen historischen Höchststand: über 1.700 Einsätze an einem Tag, mehrere tausend Kräfte im Einsatz. In der Dämmerung werden Arbeiten nur noch bei akuter Gefahr fortgesetzt. Eigenschutz hat Priorität. „Man sieht hier, wie leistungsfähig das System ist – aber auch, wie schmal der Grat wird“, sagt mein Begleiter und deutet auf eine frisch beräumte Gemeindestraße.
Appell an die Vernunft
Die Landeswarnzentrale in Graz hatte den Handy-Alarm ausgelöst. Die Botschaft war klar: unnötige Autofahrten unterlassen, Wälder meiden, Einsatzkräfte nicht behindern. Jeder steckengebliebene Wagen bindet Ressourcen, die andernorts fehlen.
Die Reportage endet – die Lage nicht
Als wir den gesicherten Bereich verlassen, liegt eine gespenstische Ruhe über den Hügeln der Steiermark. Unter der weißen Decke arbeitet es weiter: Motorsägen in der Ferne, Blaulicht hinter Kurven. Der Winter hat hier nochmals Ende Februar mit den Muskeln gespielt und gezeuigt, welche unbändige Gewalt in der Natur steckt. Bleibt nur zu hoffen, dass das angekündigte Tauwetter nun nicht zu schlagartig einsetzt, damit das Schmelzwasser nicht zu der nächsten Katastrophe in Form von Hochwasser und Überschwemmungen führt.
Bericht vor Ort – in Begleitung eines erfahrenen Katastrophenschützers zur dynamischen Risiko-Bewertung während der Besichtigung der Schadenlagen.
Unterwegs auf der Gemeindestraße zwischen zwei Ortschaften in der Region Feldbach, die aktuell noch immer unpassierbar sind | Foto: Sabine Hütter, society-photography.at
Fotostrecke
Eine kleine Auswahl der beeindruckenden Eindrücke während der Besichtigung der Schadenlage | Fotografie: Sabine Hütter – Society Photography Austria
SABINE HÜTTER, Fotojournalistin von Society-Photography, während der Besichtigung in Feldbach, im steirischen Vulkanland.