MESSE neu denken, bedeutet ein Festival der Sinne - ‘Wohnen & Interieur’ in Wien
von Chris Ernst, 19. März 2026
Ein Erlebnisbericht von der ‘Wohnen & Interieur’
Vom Marktplatz der Information zum Raum der Erfahrung: Die neue Existenzberechtigung von Publikumsmessen
Lange Zeit galten Publikumsmessen als Schaufenster der Innovation. Wer wissen wollte, was neu ist, was kommt, was zählt, ging auf die Messe. Heute hat sich diese Funktion grundlegend verschoben. Das Internet ist schneller, umfassender und jederzeit verfügbar. Informationen zirkulieren in Echtzeit, Produktneuheiten sind global abrufbar, Vergleiche nur einen Klick entfernt. In einer Welt permanenter Verfügbarkeit scheint die klassische Rolle der Messe als Informationsvermittler weitgehend obsolet geworden zu sein.
Mag. Christine Kosar, verantwortliche Messeleiterin der ‘Wohnen & Interieur’, einer der größten Publikumsmessen in Österreich. Seit vielen Jahren gestaltet sie aktiv die Transformation der Leitmesse für Wohnkultur | Foto: Chris Ernst ©by www.society-photography.at
Mag. Christine Kosar, die sich seit Jahrzehnten als verantwortliche Messeleiterin intensiv mit dem Wandel von Publikumsmessen auseinandersetzt, gilt als eine der prägenden Stimmen einer werthaltigen Transformation. Ihre Überzeugung ist klar: Die Zukunft der Messe liegt im „Ort der Begegnung“, im unmittelbaren Erleben und im direkten menschlichen Austausch. Diese Haltung wird auf der diesjährigen Wohnen & Interieur – Österreichs größter Messe für Wohntrends, Möbel, Garten und Design mit rund 400 Ausstellern und etwa 36.000 Besuchern – besonders greifbar. Hier wird die Messe nicht nur organisiert, sondern bewusst als Raum der Interaktion inszeniert.
WOHNEN & INTERIEUR, die Messe setzt Maßstäbe für innovative und individuelle Wohnkonzepte. | Foto: Chris Ernst, society-photography.at Wien
Publikumsmessen existieren weiterhin – nicht als Relikt, sondern als transformiertes Format mit neuer Bedeutung.
Ihre heutige Existenzberechtigung liegt weniger im kognitiven Innovationstransfer als vielmehr im habituellen Erleben. Es ist das, was sich nicht digitalisieren lässt: das Greifen, um zu begreifen. Die unmittelbare Erfahrung von Materialität, Proportion und Atmosphäre. Echtholz entfaltet seine Wirkung nicht auf dem Bildschirm, sondern in der Hand, ja sogar in der Nase. Hochwertiges Besteck überzeugt nicht durch Pixel, sondern durch Gewicht, Balance und Haptik. Und die Raumwirkung von Designobjekten oder Kunstwerken entsteht erst im physischen Zusammenspiel von Licht, Perspektive und Präsenz.
Virtuelle 3D-Visualisierungen mögen diese Eindrücke simulieren – sie bleiben dennoch Annäherungen, Kompromisse. Sie ersetzen nicht das Gefühl, sich in einem Raum zu bewegen, Objekte zu umkreisen, Oberflächen zu ertasten. Genau hier liegt die Stärke der Messe im 21. Jahrhundert: in der Unmittelbarkeit des Erlebens.
Damit hat sich auch ihr Wesen verändert. Die Messe ist nicht mehr primär ein Ort der einseitigen Präsentation, sondern ein Ort der Begegnung und des Dialogs. Menschen treffen auf Menschen – nicht nur auf Produkte. Gespräche entstehen spontan, Eindrücke werden gemeinsam reflektiert, Entscheidungen emotional verankert. Diese soziale Dimension gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Mit dieser Verschiebung verändert sich auch die Art der Präsentation. Wo früher Informationsmaterial dominierte, entsteht heute Interaktion. Der klassische Messebesucher, der mit Taschen voller Prospekte nach Hause ging, wird zunehmend abgelöst durch den Besucher, der Erfahrungen sammelt: Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben, die emotional berühren und die letztlich auch Kaufentscheidungen beeinflussen.
Für Aussteller bedeutet das eine neue Herausforderung. Es reicht nicht mehr, Produkte zu zeigen – sie müssen inszeniert, erlebbar gemacht, in einen Kontext gestellt werden. Der Messestand wird zur Bühne, zur Schnittstelle zwischen Marke und Mensch, zwischen Objekt und Emotion. Wer es schafft, nicht nur Interesse, sondern Begeisterung zu erzeugen, schafft auch wirtschaftlichen Erfolg.
So wird die Publikumsmessse zu einem hybriden Raum: zwischen Markt und Erlebniswelt, zwischen Ausstellung und Begegnungszone. Ihre Stärke liegt nicht im Wettbewerb mit digitalen Medien, sondern in der bewussten Ergänzung. Sie bietet das, was der virtuelle Raum nicht leisten kann – Präsenz, Nähe, Sinnlichkeit.
In einer zunehmend digitalisierten Welt wächst paradoxerweise das Bedürfnis nach dem Analogen, nach dem Echten, nach dem direkten Kontakt. Die Messe erfüllt genau dieses Bedürfnis. Nicht trotz des Internets, sondern gerade wegen ihm.
Ihre Zukunft liegt daher nicht im Festhalten an alten Konzepten, sondern in der konsequenten Weiterentwicklung als Ort des Erlebens – ein Raum, in dem Menschen nicht nur sehen, sondern fühlen, nicht nur vergleichen, sondern erleben, nicht nur konsumieren, sondern in Beziehung treten.
Seit mehr als 20 Jahren ein fixer bestandteil der ‘Wohnen & Interieur’ im Messezentrum Wien: die Kunst-Ausstellung ‘Unikatewelt’. Hier stellte in diesem Jahr auch die steirische Künstlerin Alexandra Ranak (Foto) aus. | Foto: Chris Ernst © by www.society-photography.at
Und doch existieren Publikumsmessen weiterhin – nicht als Relikt, sondern als transformiertes Format mit neuer Bedeutung.
Ihre heutige Existenzberechtigung liegt weniger im kognitiven Innovationstransfer als vielmehr im habituellen Erleben. Es ist das, was sich nicht digitalisieren lässt: das Greifen, um zu begreifen. Die unmittelbare Erfahrung von Materialität, Proportion und Atmosphäre. Echtholz entfaltet seine Wirkung nicht auf dem Bildschirm, sondern in der Hand. Hochwertiges Besteck überzeugt nicht durch Pixel, sondern durch Gewicht, Balance und Haptik. Und die Raumwirkung von Designobjekten oder Kunstwerken entsteht erst im physischen Zusammenspiel von Licht, Perspektive und Präsenz.
Virtuelle 3D-Visualisierungen mögen diese Eindrücke simulieren – sie bleiben dennoch Annäherungen, Kompromisse. Sie ersetzen nicht das Gefühl, sich in einem Raum zu bewegen, Objekte zu umkreisen, Oberflächen zu ertasten. Genau hier liegt die Stärke der Messe im 21. Jahrhundert: in der Unmittelbarkeit des Erlebens.
Vorwerk ist seit vielen Jahren ein fixer Bestandteil der ‘Wohnen & Interieur’, der größten Wohn-Messe Österreichs | Foto: Chris Ernst, society-photography.at
Damit hat sich auch ihr Wesen verändert. Die Messe ist nicht mehr primär ein Ort der einseitigen Präsentation, sondern ein Ort der Begegnung und des Dialogs. Menschen treffen auf Menschen – nicht nur auf Produkte. Gespräche entstehen spontan, Eindrücke werden gemeinsam reflektiert, Entscheidungen emotional verankert. Diese soziale Dimension gewinnt zunehmend an Bedeutung.
Mit dieser Verschiebung verändert sich auch die Art der Präsentation. Wo früher Informationsmaterial dominierte, entsteht heute Interaktion. Der klassische Messebesucher, der mit Taschen voller Prospekte nach Hause ging, wird zunehmend abgelöst durch den Besucher, der Erfahrungen sammelt: Erlebnisse, die in Erinnerung bleiben, die emotional berühren und die letztlich auch Kaufentscheidungen beeinflussen.
Für Aussteller bedeutet das eine neue Herausforderung. Es reicht nicht mehr, Produkte zu zeigen – sie müssen inszeniert, erlebbar gemacht, in einen Kontext gestellt werden. Der Messestand wird zur Bühne, zur Schnittstelle zwischen Marke und Mensch, zwischen Objekt und Emotion. Wer es schafft, nicht nur Interesse, sondern Begeisterung zu erzeugen, schafft auch wirtschaftlichen Erfolg.
So wird die Publikumsmessse zu einem hybriden Raum: zwischen Markt und Erlebniswelt, zwischen Ausstellung und Begegnungszone. Ihre Stärke liegt nicht im Wettbewerb mit digitalen Medien, sondern in der bewussten Ergänzung. Sie bietet das, was der virtuelle Raum nicht leisten kann – Präsenz, Nähe, Sinnlichkeit.
In einer zunehmend digitalisierten Welt wächst paradoxerweise das Bedürfnis nach dem Analogen, nach dem Echten, nach dem direkten Kontakt. Die Messe erfüllt genau dieses Bedürfnis. Nicht trotz des Internets, sondern gerade wegen ihm.
Ihre Zukunft liegt daher nicht im Festhalten an alten Konzepten, sondern in der konsequenten Weiterentwicklung als Ort des Erlebens – ein Raum, in dem Menschen nicht nur sehen, sondern fühlen, nicht nur vergleichen, sondern erleben, nicht nur konsumieren, sondern in Beziehung treten.
Fotostrecke
Eine kleine Auswahl der interessantesten Eindrücke während des Besuchs auf der ‘Wohnen & Interieur’, 2026, im Messecenter Wien | Fotografie: Chris Ernst – Society Photography Austria